Abu Mansaray: “Forikolo berührt das Leben der Menschen, die wenige Privilegien haben”

Abu Mansaray ist bereits seit mehr als zwölf Jahren Projektleiter des Forikolo e.V. in Sierra Leone. Abu hat zuvor Afrikanistik und Amerikanistik an der Universität Leipzig studiert. In diesem Interview berichtet er über seine Arbeit, seine Motivation und Vision.


Abu, wenn Du an den Moment zurückdenkst, an dem im Jahr 2002 alles begann, kannst Du wirklich glauben, was seither alles erreicht wurde?

Es ist wirklich unglaublich. Es ist ein Wunder. Die Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit eines Teams, das mit Hingabe und Engagement arbeitet.

Kannst Du bitte den Prozess eines Schulbaus von der Planung bis zur Fertigstellung beschreiben?

Der Prozess läuft wie folgt ab: Am Anfang steht die Bewertung des Projektes, d.h. zu prüfen, ob an dem jeweiligen Ort wirklich Bedarf für eine neue Schule besteht. Involviert sind hier das Team des Forikolo e. V. vor Ort in Sierra Leone und die Dorfbewohner.

Nachdem eine Entscheidung getroffen wurde, muss die Gemeinde ein Grundstück für den Schulbau zur Verfügung stellen. Der tatsächliche Bau beginnt dann mit dem Entfernen von Büschen bzw. dem Fällen von Bäumen auf dem Grundstück. Diese Arbeiten werden von der Dorfgemeinschaft geleistet. Zudem unterstützt die Dorfgemeinschaft einen Schulbau mit lokal verfügbaren Materialien wie z. B. Wasser, Sand oder Steinen. Danach folgt die Vermessung und das Ausheben des Fundaments, die Produktion von Zement oder Lehmziegeln, die Mauerarbeiten, die Dacharbeiten, das Verputzen, der Anstrich, das Einsetzen von Türen und Fenstern, der Bau von Toiletten du schließlich der Bau von Schulmöbeln.

Ausheben des Fudaments für einen Schulbau
Ausheben des Fundaments für das neue Schulgebäude in Forikolo 2005

Wie wird die lokale Bevölkerung in den Schulbauprozess einbezogen?

Sie werden in die Planung miteinbezogen und stellen Arbeitskräfte und soweit vorhanden lokal verfügbare Baumaterialien zur Verfügung.

Wie werden die neuen Schulen von den Schülern, den Lehrern und der Dorfgemeinschaft angenommen?

Schüler im Klassenzimmer in Forikolo
Schüler*innen lernen im neuen Schulgebäude in Forikolo

Die Schüler freuen sich darüber eine neue Schule besuchen zu können. Die Lehrer sind enthusiastisch und bewerben sich für diese Schulen, da sie hier ein besseres Lernumfeld vorfinden. Die Gemeinde ist stolz darauf eine gute Schule zu haben.

Warum arbeitest Du für den Forikolo e. V. und was ist Deine Motivation?

Ich möchte zur Entwicklung meines Landes beitragen. Ich bin motiviert durch das Ergebnis, das wir bisher erzielt haben und durch die Wertschätzung, die mir die Menschen im ganzen Land entgegenbringen.

Wie sieht ein Arbeitstag für Dich aus?

Ein typischer Arbeitstag zeichnet sich durch vielfältige Beschäftigungen aus. Manchmal werden wir bei unserer Arbeit von traditioneller Musik begleitet, die die Dorfbevölkerung für uns spielt.

Was glaubst Du ist das Besondere am Forikolo e. V.?

Forikolo ist etwas Besonderes, da der Verein konkret, einzigartig und produktiv arbeitet. Forikolo berührt das Leben der Menschen, die wenige Privilegien haben.

Die Bewohner*innen der Gemeinde Musaya bei einem Treffen mit Vertreter*innen des Forikolo e.V. im November 2016
Die Bewohner*innen der Gemeinde Musaya bei einem Treffen mit Vertreter*innen des Forikolo e.V. im November 2016

 

Was denken die Dorfbewohner über die Arbeit des Forikolo e. V.?

Die Arbeit des Forikolo e. V. wird als außergewöhnlich betrachtet. Der Forikolo e. V. ist wirklich etwas Besonderes.

Was können wir bei unserer Arbeit verbessern? Welche Fortschritte können noch erzielt werden?

Der Verein kann sich noch in den Bereichen Entsorgung, Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und für bessere Häuser für die Armen einsetzen. Zudem sollten Ausbildungszentren gebaut werden.

 

Was möchtest Du mit dem Forikolo e. V. in den nächsten zehn Jahren erreichen und was sind Deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Ich möchte dazu beitragen, eine bessere Lebensqualität für die weniger privilegierten Menschen zu erreichen. D.h.: Arbeitsplätze für Jugendliche und Frauen schaffen, Zugang zu einer besseren Gesundheitsversorgung und Unterkünfte für die Armen schaffen und sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen.

 

Abu Mansaray (links im Bild mit Basecap) mit Schüler*innen vor der Schule in Forikolo
Abu Mansaray (links im Bild mit Basecap) mit Schüler*innen vor der Schule in Forikolo

Bitte unterstützt unseren nächsten Schulbau in Tintafor!

Schüler der Gemeinde Tintafor, Foto: Thomas Puschmann
Schüler der Gemeinde Tintafor, Foto: Thomas Puschmann

In 2017 wollen wir eine Schule für die Kinder in Tintafor bauen. Im Moment hat die Gemeinde ein Wohnhaus für den Unterricht gemietet, welches zu klein ist für die ca. 300 Schüler*innen und keine Schulmöbel hat. Bitte unterstützt  uns mit einer Spende, um diese Schule zu bauen!

 

 

 

 

 


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